IRRT als therapeutische Methode

IRRT (Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy) wurde in den frühen 1990er Jahren als eine auf Imagination basierende Therapietechnik zur Behandlung von Traumafolgestörungen (Typ-I und Typ-II Traumatisierungen, komplexe PTBS) entwickelt, ursprünglich zur Behandlung von erwachsenen Opfern kindlichen sexuellen oder körperlichen Missbrauchs. Ihr Urheber ist Prof. Dr. Mervyn Schmucker. Seit 2009 wurde die IRRT in Zusammenarbeit mit Dr. Rolf Köster angepasst, verfeinert und in ihrem Indikationsspektrum deutlich erweitert, sodass sie heute auf sämtliche belastungsabhängigen psychischen Störungen angewendet werden kann, insbesondere Angststörungen, Depressionen, Trauerreaktionen, Suchtproblematiken und auch Persönlichkeitsstörungen.

IRRT ermöglicht die Bearbeitung der belastenden Bilder, Blockaden und Schemata. Ursprünglich aus der kognitiven Verhaltenstherapie entwickelt, lässt sich IRRT problemlos in verhaltenstherapeutische, psychodynamische, systemische, humanistische sowie andere therapeutische Vorgehensweisen integrieren.

In mehreren kontrollierten und naturalistischen Studien zeigte IRRT eine mindestens gleich ausgeprägte Wirksamkeit bei posttraumatischen Störungen wie die Methoden der „verlängerten Exposition“ (Prolonged Exposure) oder EMDR.

IRRT zeichnet sich durch die folgenden Hauptaspekte in der Behand­lung aus:

  • die Arbeit in der Imagination auf der „inneren Bühne“ des Patienten.
  • die sokratische Haltung des Therapeuten, d.h. eine inhaltlich offene, fragende und paraphrasierende Haltung. Der Therapeut gibt lediglich den formalen Rahmen der Imagination vor und hält den Patienten „auf Kurs“. Die inhaltliche Gestaltung des Prozesses ist Aufgabe des Patienten. Der Patient selbst ist der Wissende, der Therapeut hilft ihm lediglich dabei, dieses Wissen zu entdecken.
  • die Arbeit mit verschiedenen Persönlichkeitsanteilen als Protagonisten auf der inneren Bühne des Patienten. Die wichtigen Protagonisten sind dabei das aktuelle Ich, das damalige Ich/Kind, sowie der Täter bzw. das verinnerlichte Täterbild.
  • Der Therapeut steuert mit seinen Fragen und Aussagen den IRRT-Prozess, wobei oft schon minimale Nuancen entscheidend sein können. Deshalb wird in der IRRT auf die sprachliche Genauigkeit in den Fragen und Aussagen des Therapeuten großer Wert gelegt. In der Regel werden offene statt geschlossene Fragen gestellt. Durch geschicktes Formulieren, z.B. die Verwendung des Konjunktivs oder die Formulierung eines Handlungswunsches vor der eigentlichen Handlung lassen sich dem Patienten auch schwierige Entwicklungsschritte ermöglichen.
  • Bei der konzeptuellen Genauigkeit geht es darum, dass sich der Therapeut bewusst ist, was sich im Therapieprozess abspielt und in welcher Phase des IRRT-Prozesses sich der Patient gerade befindet, ob er z.B. auf der primären Erlebnisebene agiert oder sich mit dem Therapeuten auf einer sekundären Verarbeitungsebene befindet.

Eine IRRT-Sitzung verläuft in der Regel in drei Phasen:

  • In der ersten Phase werden die belastenden Bilder und assoziierten Emotionen des Traumas vom Patienten in sensu wiedererlebt und verbalisiert.
  • In der zweiten Phase liegt der Schwerpunkt auf der Konfrontation und Entmachtung des Täters durch das aktuelle Ich des Patienten, das als zusätzlicher Persönlichkeitsanteil auf dessen innerer Bühne eingeführt wird.
  • In der dritten Phase geht es um die Entwicklung von Bildern der Beruhigung, Tröstung und Versöhnung zwischen dem aktuellem Ich und dem Kind (bzw. dem damaligem Ich).
  • Im Rahmen von Nachbesprechung und Hausaufgaben wird parallel an der Vertiefung und Verankerung des Erreichten und an der kognitiven Umstrukturierung gearbeitet.